Spätzünder VI (the last one)

Sie haben alle gelogen. Jawohl!

Spätzünder VI

Sogar meine eigenen Freundinnen. Und viele Bekannte auch.  „Das zweite läuft nur so mit“, haben sie gesagt. Ha! Dass ich nicht lache. Hatten wohl einen Clown gefrühstückt! Oder Provisionen mit einem Windelhersteller ausgehandelt? 

Ehrlich: ich wollte immer mindestens zwei Kinder. War selbst Einzelkind (zumindest 19 lange Jahre!), und habe immer die anderen mit Geschwistern beneidet (na ja, vielleicht nicht immer, aber schon allein das Helfen im Haushalt…mehr Geschwister, weniger Eigenanteil an der Hausarbeit, oder? 😉

Also kam knappe drei Jahre nach unserer wunderbaren Tochter unser wunderbarer Sohn auf die Welt. 

Jede/r, der/die Kinder hat, wird mir wohl Recht geben, dass es ein Eingriff ins Leben ist, der sich, ja, mit was eigentlich, vergleichen lässt? Vielleicht einer großen OP? Oder so? Praktisch nichts ist mehr, wie es vorher war. Aber vielleicht hab’ ich ja auch das nur wegen meinem Spätzündertum so empfunden? 

Gut möglich, dass man sich automatisch umso mehr Gedanken und Sorgen macht, je älter man ist. (Mittlerweile profitiere ich von einer größeren Gelassenheit vielen Dingen gegenüber – hat was. Und ist vielleicht der einzige Trost des Älterwerdens…?!). Viele, die noch jung ihre Kinder bekommen, rutschen in die Elternrolle einfach so rein. Bei mir war alles viel zu „verkopft“. (Hat mir damals schon die Hebamme gesagt. Nun ja, ist ja nicht so, dass das nicht auch was Positives hätte…:-) 

Oh Gott, meine Kinder wollen auf den Spielplatz…

Es war eine anstrengende, aber auch sehr schöne Zeit, als die Kinder noch klein waren. Dennoch muss ich gestehen: die Zeit auf Spielplätzen, zusammen mit anderen Müttern, die urplötzlich nur noch Themen kannten, die sich um Kinder und Haushalt drehten, das war hardcore. Ich dachte, ich sterbe vor Langeweile. Wo waren all die spannenden Themen hin? Hörte noch wer Musik (außer Rolf Zuckowski)? Kannte noch wer (spannende) Filme (anstatt die 50te Folge von Benjamin Blümchen zu inhalieren)? Wusste noch wer, was „da draußen“ so abging? In Kunst und Kultur? Oder Politik (okay, letzteres trägt nur selten zur Erbauung bei, aber dennoch…). Las überhaupt noch wer Bücher (außer Ratgeber fürs Stillen oder für „Kinder in der Trotzphase“)? Ehrlich: ich dachte, mein Gehirn stirbt vor Langeweile. Auf Spielplätzen abzuhängen fand ich so schrecklich, dass es fast schon weh tat. Wahrscheinlich sollte ich das hier nicht schreiben, aber… man soll ja auch nicht lügen, oder?!

Noch heute bin ich froh, wenn ich von meinem Fenster aus die Mütter mit ihren kleinen Kindern auf dem Spielplatz sehe, dass diese Zeiten für mich vorbei sind…(und bis die Enkelkinder kommen, ist ja noch ein Weilchen hin – hoffe ich…;-) ).

Was zeitgleich auch richtig anstrengend wurde, war der Haushalt. Vor allem für mich, die ich noch nie eine der Frauen/Mütter war, die sich über einen perfekt geführten Haushalt definieren. Was bisher ein reiner Künstler-Haushalt gewesen war (in dem selten gekocht, Nächte oft durchgemacht, tagtäglich Kunst gelebt wurde und indem es sowas wie einen „geregelten“ Alltag überhaupt nicht gab), das musste plötzlich auf einen „ordentlichen“ Klein-Familien-Haushalt zurechtgestutzt werden. Oha!

Alles bleibt anders – oder wie war das?

Die Umstellung war, nun ja, nicht gerade leicht. Sie kostete einiges an Kraft und – wen wundert’s? – noch mehr an Zeit. Da blieb nicht viel übrig für Kreativität. Dazu dauerhafter Schlafmangel, sowie Sorgen, wenn die Kinder z.B. krank waren, all das beschnitt nicht nur die physischen Reserven, sondern nebenbei ganz gehörig die Kapazitäten des Denkens.

Ich weiß noch, dass ich andauernd Sachen vergaß. Und als ich dann mit zwei Nachwuchs-erfahrenen Freundinnen zusammen stand und wir uns darüber unterhielten, sagte ich (olle Optimistin) mit einem strahlenden Lächeln zu ihnen: „Naja, bald ist die Stillzeit vorbei. Bin ich froh, wenn sich Gedächtnis und Merkfähigkeit wieder erholen.“ Was folgte, war: Stille.

Komisch, dachte ich, wieso sagen die nichts? Stattdessen schauten sie sich nur vielsagend an. Ich fragte: „Was ist?“ Ich bekam keine Antwort auf meine Frage, dafür meinte die eine zur anderen: „Hm! Sollen wir’s ihr sagen?“ 

Zwei Einfamilienhäuser – wow!

Wer sagte mal, um ein Kind großzuziehen investiert man etwa soviel, wie wenn man ein Einfamilienhaus baut? Oha! Wir haben also quasi zwei Einfamilienhäuser. Cool. Keine Ahnung, wie sie aussehen und wo sie stehen, aber sie sind bestimmt mega!

Tatsache war nunmal, dass auch irgendwie mehr Kohle in die Kasse musste (alleine, was die Windeln kosten…jetzt, wo ich so darüber nachdenke, bin ich mir mit dem Deal meiner Freundinnen mit Pampers & Co fast sicher 😉 ).

Also waren wir gezwungen, die verbleibende Zeit hauptsächlich dem Geld-verdienen, zu widmen. Das lief in erster Linie mit kommerzieller Musik. Nicht schlimm, nur: wann und wie, bitte schön, sollte man sich noch um eigene Projekte kümmern, gar selbst komponieren? 

Ich weiß noch, dass damals die Schwester eines Musikerkollegen, selbst Musikerin und Mutter eines Kindes, sagte: „Endlich kann ich mir ein Hobby suchen, jetzt ist wieder Zeit dafür“. Ihr Kind war zu dem Zeitpunkt zwei (2 !) Jahre alt. Ich dachte: Waaaas? Die hat doch ein Rad ab! Das kann die nicht ernst meinen. Hat sie’s zur Adoption freigegeben oder was?“ Ich für meinen Teil beschloss, dass sie einfach nur angeben wollte…

Der Mangel an Zeit und – wohntechnisch bedingt – auch Raum für Muße fehlte. Sich einfach mal treiben lassen, den Gedanken nachhängen, an etwas Interessantem, das man entdeckt hatte, dranbleiben, war kaum möglich. Und das zerrte spürbar an den Nerven. Ausgeglichen geht anders.

Ich zum Beispiel bin jemand, der Ruhe und Muße braucht, um kreativ zu sein. Klar, Omas und Opas sprangen ein, nahmen die Kleinen. Aber oft war ich dann so geschafft, dass ich nur noch eines machen konnte: nämlich nichts. Erschöpfung bringt eben auch keine kreativen Ideen hervor, sondern lotst dich allerhöchstens noch bis ins Bett oder zur nächsten Couch…

Time flies

Natürlich dauerte dieser Zustand nicht ewig an. Sehr schnell wurden – im Nachhinein betrachtet – die besten aller Kinder älter und größer und heute wünscht man sich manchmal die Zeit zurück, als sie so klein und knuffig waren und die Welt gerade erst für sich entdeckten. Nur die Umstände, auf die verzichte ich wirklich gerne. 

Trotz aller Widrigkeiten habe ich es zum Glück dennoch geschafft, mein Fachbuch für Sänger*Innen The Singer’s Coach zu veröffentlichen – auch wenn das Projekt am Ende viel, viel länger dauerte, als ich es mir gewünscht hätte. Egal, es ist erschienen und das zählt.  Außerdem habe ich so eine alte Leidenschaft, die ich schon als Kind hatte, wiederentdeckt: das Schreiben. 

Einmal Spätzünder – immer Spätzünder?

Und so habe ich einen Roman geschrieben, den ich derzeit überarbeite. Einen sog. Urban Fantasy-Roman. Auch hier dauert alles mal wieder viel länger als geplant. Vielleicht bin ich zu perfektionistisch veranlagt, will es immer noch besser machen. Aber – zum Glück – bin ich auch Optimistin. Und damit guter Dinge dass auch dieses Buch – so bald als irgend möglich – erscheint. Ich freu’ mich jedenfalls drauf 🙂

Mein Spätzündertum jedoch, ist hoffentlich nicht zum Dogma meines Lebens geworden. Zumindest arbeite ich daran.

In diesem Sinne danke ich Euch an dieser Stelle für Eure Aufmerksamkeit. Das war der letzte Blogpost zum Thema „Spätzünder“. Mal schauen, was so als nächstes kommt.

Vielleicht gibt es dann an dieser Stelle öfter mal Neuigkeiten zu meinem Buch, denn ich finde, die Geschichte ist eine wirklich gute. Soviel kann ich euch verraten: es geht um eine spannende Suche und ja, auch um Zeitreisen – ein Thema, das mich schon immer fasziniert. Wenn Ihr ebenfalls solche Themen mögt, dann ist das ja vielleicht was für Euch.

Aber natürlich freue ich mich auch über sonstige Vorschläge, Rückmeldungen und Anregungen. Schreibt mir gerne. Und nicht vergessen, Leute:

Keep’ on rockin’, my dear ones 😉

Eure LeeZa

1 Gedanke zu „Spätzünder VI (the last one)“

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